2009-10-06

 

<<Aus der Binsenwahrheit, dass heutzutage ohne IT nichts mehr gehe, wird allzu schnell der Umkehrschluss gezogen, dass die IT deshalb für Unternehmen strategisch besonders wichtig seiI»

 

Für die Marktauguren ist es keine Frage: Die zum Teil drarakonischen Kostensparmassnahmen zwingen Unternehmen dazu, neue Wege zubeschreiten · auch in der IT. Gartner geht davon aus, dass weltweit die IT-Budgets um durchschnittlich 4,7 Prozent zurückgefahren werden. Weiter rechnet Gartner damit, dass sich im IT-Outsourcing Preisabschläge von bis zu 20 Prozent bemerkbar machen werden. Allerdings müssten die Preisabschläge in vielen Fällenoch deutlich höher ausfallen. Ein IT-Dienstleister müsste zu rund 65 Prozent der Kosten der internen IT-Organisation liefern, damit sich ein Outsourcing für Raiffeisen lohne, rechnet etwa Raiffeisen—CIO Damir Bogdan vor (siehe Seiten 54/55). Denn selbst bei versprochenen Kostenersparnissen von 20 Prozent erwarten die Aktionäre des Outsourcers eine Gewinnmatge von mindestens 15 Prozent.

Möglich ist dies nur dann, wenn der eigenen IT-Organisation die Kosten vollkommen aus dem Ruder gelaufen sind. Tatsächlich war dies nach den expansiven 90er-Jahren und in der Dotcomblase der Fall. Inzwischen sind die meisten internen IT—0rganisationen jedoch wieder gesundgeschrumpft. Insbesondere in der Industrie, wo Kostendruck und Effizienzsteigerungen nicht erst seit der Finanzkrise zum Dauerthema avanciert sind. Nimmt man also die Total Cost of Ownership (TCO) zum Benchmark und ist die Kostenreduktion der einzige Treiber für ein Outsourcing, ist damit gerade im Mittelstand wenig Staat zu machen.

 

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Outsourcing strategisch irrelevant

 

Es gibt allerdings noch andere Überlegungen. Betrachtet man nämlich ein Outsourcing aus der Optik der Finanzierung, sieht die Rechnung ganz anders aus. Denn für viele Unternehmen steht heute fest: Will man in der IT Kosten sparen, muss zunächst investiert werden — zum Beispiel in die Rundumerneuerung des eigenen Rechenzentrums. Doch dafür fehlen in der Krise oft die Mittel. In diesem Dilemma stecken derzeit nicht wenige Unternehmen. Und kein Wunder stossen Outsourcer mit ihrem Angebot auf offene Ohren. Denn indem man die IT auslagert, fallen die Initialinvestitionen weg, respektive werden über die vereinbarte Vertragszeit in Form von monatlichen Überweisungen abgewälzt.

 

«Profit now, pay later», heisst also die Erfolgsforrnel, mit der Outsourcing-Anbieter in der gegenwärtigen Krise auf _die Pirsch gehen. (Unnötig zu erwähnen, dass mit ähnlichen Formeln auch schon Krisen verursacht wurden.) 'I‘ypischer— weise vorangetrieben werden solche taktischen Outsourcing-Manöver denn auch weniger von den CIOs, sondern von den CFOs — denen die CIOs in vielen IT-Organisationen unterstellt sind. Glaubt man der IT—Va1ue-Stu die von Boydak Management Consulting ist für den CIO jedoch nichts gewonnen, wenn er sich diesem Ansinnen versperrt. So hat die Auswertung von 60 Workshops in der Chefetage von grösseren Unternehmen ergeben, dass es für den Stellenwert der IT—Organisati0n innerhalb des Unternehmens irrelevant ist, ob IT-Outsourcing praktiziert wird oder nicht.

 

Innovation als showkiller

Tatsächlich hat sich die IT in den vergangenen Iahren einen etwas zwiespältigen Stellenwert innerhalb der Unternehmen geschaffen. Denn aus der Binsenwahrheit, dass heutzutage ohne IT nichts mehr gehe, wird allzu schnell der Umkehrschluss gezogen, dass die IT deshalb für Unternehmen strategisch besonders wichtig sei. Doch dies ist längst nicht (mehr) der Fall. Mit einer funktionierenden IT(-Infrastruktur] sind heutzutage weder Wettbewerbsvorteile noch Lorbeeren im Topmanagement zu ergattern. Dies wird einfach vorausgesetzt. Genauso wie man davon ausgeht, dass der Fahrstuhl im richtigen Stockwerk ankommt, das Gebäude gereinigt und der Müll entsorgt wird.

 

Dennoch: Während Unternehmen weder Staubsauger, geschweige Fahrstühle unterhalten, kauft das Gros weiterhin munter Desktops und richtet seine eigenen Datencenter ein. Warum ist also trotz zunehmender Commoditisierung der IT die Arbeitsteilung, also der Outsourcing-Grad noch nicht weiter fortgeschritten? Darauf gibt es eigentlich nur eine derikbare Antwort: Dem stand die technologische Entwicklung bislang im Weg. Innovationen verhindern im Wesentlichen, dass sich das Angebot homogenisiert und die Anbieter konsolidieren. Im Gegensatz zu der Handvoll übriggebliebener Hardwarehersteller teilen sich die Top Five der IT-Service-Anbieter gerade mal 20 Prozent des Marktes.

 

Dabei spielt es weniger eine Rolle, dass all die noch nicht erfundenen Technologien und Produkte die Halbwertszeit des Status quo auch in absehbarer Zeit kurzhalten werden. Entscheidender ist der Blick zurück. So hat das Innovationstempo der vergangenen zwei Dekaden schlicht verhindert, dass sich bei den Unternehmen die installierte Basis homogenisieren und standardisieren konnte. Dies ist im Wesentlichen aber Voraussetzung dafü.5 dass Konzepte wie «Cloud C0mputing» im Markt adoptiert werden können. Andererseits: Not macht erlinderisch und in diesem Sinne verhelfen eher Krisen und weniger die Hypes radikaleren Ansätzen und Lösungen zum Durchbruch.